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Altern, Leistungsfähigkeit körperliche Aktivität

von Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Wildor Hollmann aus der Zeitschrift RÜCKENSIGNALE
- www.agr-ev.de

Die Alterungsvorgänge im menschlichen Körper sind charakterisiert durch Strukturveränderungen und Leistungseinbußen. Die Ursachen sind einerseits genetisch gesteuert, andererseits abhängig vom Lebensstil. Unter den vielen Empfehlungen zur Jüngererhaltung gibt es nur eine wissenschaftlich gesicherte Maßnahme: Eine überdurchschnittliche muskuläre und geistige Aktivität. Hierdurch gelingt es, sich funktionell jünger zu erhalten als es chronologisch dem Geburtsschein des Betreffenden entspricht.

Sämtliche körperliche Betätigungsformen werden nach fünf Hauptgruppen unterteilt:

  • Koordination (Gewandtheit, Geschicklichkeit, Technik),
  • Flexibilität (Gelenkigkeit),
  • Kraft,
  • Schnelligkeit und
  • Ausdauer.

Die wichtigsten von ihnen sind Koordination, Kraft und Ausdauer. Einfache koordinative Übungen wie z. B. das morgendliche An- und Ausziehen in der Durchführung auf einem Bein, einige Male täglich über einen Streifen von ca. 10 m Länge balancieren, Klavier spielen u. a. stellen hervorragende koordinative Übungen dar.

Die Kraft der Skelettmuskulatur beginnt bereits mit dem 30. Lebensjahr abzunehmen. Diesem Leistungsverlust kann man entgegenwirken z. B. durch 5-10 mal täglich durchgeführte statische Beanspruchungen von Muskelgruppen mit ca. 70% der Maximalkraft über jeweils 5 sec Dauer. Hierdurch kann man dem altersbedingten Kraftleistungsverlust innerhalb der nächsten 24 Stunden nahezu 100%ig entgegenwirken. Durch Muskelkrafttraining wie auch durch die Verbesserung der Koordination werden nur Muskeln, Nerven, Sehnen, Bänder, Knochen und Gelenke angesprochen, nicht die inneren Organe wie z. B. das Herzkreislaufsystem.

Ausdauertraining ist die einzige Möglichkeit, gesundheits- und alterungsbezogene Beeinflussung der inneren Organe vorzunehmen (Herz, Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel, hormonelle Steuerung, Psyche).

Voraussetzung sind mindestens zwei- bis dreimal wöchentlich durchgeführte Belastungen im Sinne von Gehen, Wandern, Bergwandern, langsamer Dauerlauf, Skilanglauf, Rad fahren, Schwimmen.

Weniger gut geeignet, aber beim gesunden Menschen vielseitig wertvoll zur Vorbeugung von alterungsbedingten Einbußen sind Spiele wie Tennis, aber auch Golf. Die wöchentliche Belastungsdauer sollte so beschaffen sein, dass mindestens 1500, besser 2000 kcal pro Woche zusätzlich verbraucht werden.

Die Belastungsintensität sollte sich bei gesunden Personen nach der Formel richten: 180 minus Lebensalter in Jahren = Pulsfrequenz im Training.

Bei Berücksichtigung dieser Faktoren kann durch eine solche muskuläre Mehrbeanspruchung praktisch jedes innere Organ positiv beeinflusst werden. Das gilt vom Gehirn bis zur Niere. Hunderte von biochemischen und biophysikalischen Anpassungen ereignen sich in den genannten Organen durch solche Trainingsformen. Sie wirken zahlreichen Herzkreislauf- und Stoffwechselkrankheiten, aber auch einigen Krebserkrankungen vor. Gleichzeitig hält man sich funktionell jünger.

Auf mindestens fünf unterschiedlichen chemischen Wegen wird die von bestimmten Gehirnbezirken ausgelöste „Stimmung" positiv beeinflusst. Gleiches gilt für das Immunsystem, das Abwehrsystem gegenüber Krankheiten aller Art des menschlichen Körpers. Beim älteren und alten Menschen können sowohl das Reaktionsvermögen als auch das Kurzzeitgedächtnis durch die geschilderten Maßnahmen von körperlicher Aktivität verbessert werden.

Gäbe es eine Pille, die alle genannten Effekte in sich vereinigen würde - sie würde zweifellos das Medikament des Jahrhunderts genannt. Leider steht ihm das physikalische Gesetz der Trägheit entgegen.

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Wildor Hollmann Träger des Bundesverdienstkreuzes Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin (Deutscher Sportärztebund) Ehrenpräsident des Weltverbandes für Sportmedizin (FIMS) Lehrstuhlinhaber für Kardiologie und Sportmedizin (em.) Ehrenvorsitzender der Norddeutschen Arbeitsgemeinschaft Sportmedizin und Sportphysiotherapie e.V. (NAS)

 

 


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